Computer-Thriller - Romane und Filme aus der Datenwelt

 

 

 

 

 

 

 

DatenKrimis

 

 

 

 


Florian Schiel

Bastard Assistant Goes Overseas

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B.A.f.H. (Bastard Assistant from Hell), die Zweite. Der berüchtigte Uni-Assistent, vielen bekannt aus dem ersten Band Bastard Assistant from Hell, schlägt erneut zu. Diesmal kriegt der geniale Computer-Chaot und tückische Hacker den Auftrag, an der University of California das marode Rechnernetz zu restaurieren. Die Zusage "VOLLES AUSLANDSTAGEGELD UND FREIE DIENSTWOHNUNG!!" schließlich überzeugt unseren B.A.f.H.
Dort angekommen, möchte unser Mann natürlich einen guten Eindruck hinterlassen und sich den üblichen Landessitten anpassen. Also frühstückt er erstmal lauwarmes Pepsi und eine Mikrowellen-Pizza. Die Flecken auf dem T-Shirt stören nicht weiter, im Gegenteil, eine zerrissene Jeans vervollständigt das angestrebte, lockere Outfit in der Neuen Welt. Seltsam nur, daß der Sicherheitsbeamte am Uni-Tor ihn für einen Homeless hält und ihm den Zugang verweigern will. Endlich im neuen Büro angekommen, studiert der B.A.f.H. das Allerwichtigste auf diesem Campus: Eine Broschüre über Sexual Harassment (das hier im übrigen beharrlich falsch geschrieben wird. Sollte dieser Überfachmann tatsächlich über kein Rechtschreibprogramm verfügen?).
Dann wird's aber dienstlich. Um korrekt arbeiten zu können, wird die Bestellung eines 7.000 Dollar teuren Supercomputers unaufschiebbar. Der B.A.f.H. freut sich wie ein Kind über das neugelieferte Spielzeug. Leider war die Sache mit dem Financial Director Harold McGain so nicht abgesprochen. Gott sei Dank kann der B.A.f.H. den tobsüchtigen Finanzmenschen vollauf von der Notwendigkeit des Kaufs überzeugen, hat er doch inzwischen einen User "mcgain" ausgemacht, der regelmäßig die Adresse "alt.sexual.stockings.and.leather.belts" konsultiert. Gekonnt ist gekonnt.
Und so geht das in einem fort. Der B.A.f.H. mischt das kalifornische Computersystem auf, löst natürlich so nebenbei alle Probleme und liefert dazu noch einen launigen Bericht über amerikanische Lebensweisen. Saulustig! Auch für Nicht-Computer-Freaks. --Ravi Unger
Kurzbeschreibung

Achtung Satire!
Der deutsche Akademiker gilt als der humorloseste und trockenste der ganzen Welt. Zumindest für ein kleines technisches Institut scheint diese allgemeine Auffassung nicht zu stimmen, denn dort treibt der 'Bastard Assistant from Hell', kurz BAfH, sein Unwesen.
Mit viel Sarkasmus und bösartigem Witz macht er seinem Chef, seinen Kollegen und nicht zuletzt seinen Studenten das sonst so beschauliche akademische Alltagsleben zu einer privaten kleinen Hölle, in der nie etwas einfach erledigt wird, wenn es auch kompliziert geht, und kein Tag vergeht, ohne dass eine mittlere Katastrophe über den LEERstuhl hereinbricht. Dazu kommt noch, dass er das ganze Institut unerbittlich im Griff hält, weil nur er allein das Superuser-Passwort aller Institutsrechner kennt...
Ursprünglich als wöchentliche Kolumne im Internet konzipiert, hat sich der BAfH längst einen festen Platz in der deutschen Internet-Literatur erobert. Über das World-Wide-Web und über elektronische Mailing-Listen erhalten jede Woche viele Freunde der Satire die Abenteuer des Herrn Leisch aus München.
In diesem Band wird der Assistent in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten geholt. In Kalifornien setzt sich Leisch mit der amerikanischen Lebensweise auseinander.

Der Verleger, Nik Schwarten (schwarten@gns96.de) aus Kühbach, Deutschland , 12. Dezember 1998
Satire-Kurzgeschichten
Clinton-freie Literatur! Der Bastard Assistant Goes Overseas ist sicherlich keine reine Fortsetzungsreihe -- trotzdem hilft es, erst den BAFH Band Nummer 1 gelesen zu haben. Es geht dabei oft um das Internet, die Uni und den Computer -- aber auch viele "allgemeine" Themen werden vom Autor durch den Kakao gezogen. Die Satire ist derb -- wie der Name bereits andeutet.
Auszug aus The Bastard Assistant Goes Overseas. Die USA-Wochen des berüchtigten Uni-Assistenten. von Florian Schiel. Copyright © 1998. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
[...] Nach einigem Hin und Her (der Sicherheitsoffizier am Eingang wollte mich 'rausschmeissen, weil er mich für einen 'Homeless' hielt), finde ich ins Büro von Ginger, dem 'Human Resources Manager' und Hilfssekretärin des Instituts. Ginger ist eine angenehme 25-jährige Überraschung mit kupferrotem kurzem Haarschopf und hinterlistig grünen Augen. Sie überhäuft mich zunächst mit einen Riesenstapel an Formularen und Informationsmaterial, die ich alle lässig in die leere Pizzaschachtel schaufele. Schließlich rennt hier jeder morgens (so gegen zwölf) mit einer Pizzaschachtel 'rum und ich wollte nicht gleich am ersten Tag als Ausländer erkannt werden. Gerade als ich dezent vorschlagen will, ob Ginger mir nicht beim Ausfüllen des ganzen Papierkrams behilflich sein könnte -- zum Beispiel heute abend in meinem neu angemieteten Penthouse -- gerade in dem Moment hält sie mir eine Broschüre über 'Sexual Harrasment am Arbeitsplatz' unter die Nase. Dann führt sie mich zu meinem Büro, beziehungsweise zu dem lichtlosen, quadratischen, grau ausgepinselten Würfel, was die hier so sinnig 'cubicle' nennen. Mein cubicle ist vollgestopft mit Rechnern bzw. Rechnerteilen, alten Manuals, vergammelten Zeitschriften und verstaubten Ethernet-Kabel-Trommeln. Auf dem Schreibtisch steht eine altersschwache Sparc2 und wimmert vor sich hin. Auf den ersten Blick sehe ich, daß essentielle Teile für ein erfolgreiches System-Management fehlen -- z. B. ein TV mit VCR und ein Microwave. Ginger grinst spöttisch und läßt mich in dem Chaos allein, das mein Vorgänger -- möge er im untersten Höllenkreis schmoren! -- mir hinterlassen hat. Als allererstes mache ich im einzigen Regal Platz für meine Pizzaschachtel, indem ich die ganzen 'Internal Procedure Manuals' (das ist das unnötige Zeug, wo genau drinsteht, wer wann und warum auf welchen Rechnern welche Rechte hat) in den Papierkorb werfe. Prof. Icewater -- meine neue Chefin -- steht plötzlich hinter mir in der offenen Türe und begrüßt mich so kühl wie ein antarktisches Walroß. Während des einleitenden 'chitchat' mache ich eine geistige Notiz, daß sie auf weißen Turnschuhen daherzuschleichen pflegt. Also ist Vorsicht geboten! "Well, das ist also Ihr neues Reich", meint sie in einem Anflug von kälteklirrender Herzlichkeit, der ihr gar nicht steht, und blickt sich in meinem cubicle um. "Jetzt haben wir nur noch ein klitzekleines Problem: Ihr ... äh ... Vorgänger hat vergessen, das Root-Passwort zu hinterlassen. Und seitdem ... äh ...". Ich lächele nachsichtig. "Wo liegt da das Problem?" Prof. Icewater schaut mich zweifelnd an und verabschiedet sich. Ich setze mich an die Sparc2 und gebe ihr mit Stop-A den Todesstoß. Als sie schnaufend wieder hochkommt, gehe ich in den Single-User-Mode und unterbreche an der richtigen Stelle ein SUID-Skript. Dann setze ich das Root-Passwort neu und scanne erstmal in aller Ruhe die Userverwaltung nach weiblichen Namen, um sie für die tägliche Usermail vorzumerken. Nachdem ich die heutige Usermail überflogen habe, lösche ich sämtliche System-Mailboxen, um die Mitarbeiter auf den neuen System-Manager aufmerksam zu machen. Anschließend schicke ich eine Mail an alle, in der alle Rechnerbenutzer höflich darauf aufmerksam gemacht werden, daß es in den nächsten Wochen wegen Umstrukturierung des Rechnersystems unter Umständen zu 'Unregelmäßigkeiten im Rechnerbetrieb' kommen kann. Die Netzverbindung zum Internet funktioniert und ist erstaunlich schnell. Ich logge mich mal kurz zuhause in D ein und lasse sämtliche Suns, auf denen User eingeloggt sind, neu booten. Nur damit die Kollegen zuhause nicht meinen, sie wären mich los! Dann studiere ich die Broschüre über 'Sexual Harrasment' (zu deutsch in etwa: 'Sexuelle Belästigung'). Eine ziemlich gute Anleitung für Triebtäter und alle, die es werden wollen. Vor allem ist darin genau beschrieben, was man alles NICHT machen darf. Z. B. Liftfahren: niemals mit einer Kollegin oder einem Kollegen ALLEIN im Lift fahren, wenn man keine Klage an den Hals bekommen möchte. Oder die Türe zumachen, wenn man ein Meeting zu zweit hat. Oder Kollegen im Auto mitnehmen. Oder Pinup-Girls im Büro aufhängen. Oder ... die Liste ist erstaunlich umfassend! Für Studenten ist noch ein extra Formularblock angeheftet, auf denen sich Männchen und Weibchen (oder auch andere Kombinationen; man ist ja schließlich in San Francisco!) vor dem Beginn einer Romanze gegenseitig durch Unterschrift bescheinigen können, daß es in beider Sinne geschieht. Oh Hölle! Nachdem ich die Broschüre gründlich studiert habe, gehe ich zurück in Ginger’s Büro und frage unschuldig, ob sie mir ein paar der Begriffe erklären könne. Zum Beispiel 'space bubble', 'pinching', 'hazing', 'mooning', 'leering', usw. Ginger wird ein bißchen dunkler im Gesicht, aber sie versucht tatsächlich, es zu erklären (diese Amis sind einfach zu hilfsbereit!), und ich setze mein dümmstes Gesicht auf, Kategorie 'die blanke Leere', und verstehe gar nichts. Nach einigen vergeblichen verbalen Anläufen, schlage ich beiläufig vor, sie solle es doch mit ein paar praktischen Demonstrationen versuchen. Ginger guckt mich mit ihren grünen Augen prüfend an, dann grinst sie und schüttelt den Kopf: "Nice try!" Immerhin darf ich sie zum Abendessen einladen, zwecks Fortsetzung des Unterrichts ...
[...]
[...]
Ich hole mir einen Becher voll der ekligen Flüssigkeit, die hier gemeinhin als Kaffee bezeichnet wird, und mache es mir mit der Mittagsausgabe des San Francisco Chronicle in meinem neuen Büro gemütlich. Schließlich ist es noch viel zu früh, um an ernsthafte Arbeit auch nur zu denken. Und bis zum Lunch lohnt es sich eh nicht mehr, irgendetwas Größeres zu beginnen. Während ich mich systematisch von hinten (Funny Pages) über den Mittelteil (Datebook, Local Sports) zur Titelseite (Catastrophies) durcharbeite, führe ich auf einem Schmierzettel die heutige Verluststrichliste. Alles in allem eine eher ruhige Nacht: insgesamt 8 Tote und 24 Verletzte bei 6 verschiedenen Shootings in San Fran, 4 und 9 in Oakland und ein 'aus Versehen' erschossener Schuljunge in Berkeley.
Und dann war da noch ein Geistesgestörter, der mitten auf dem Freeway seine Magnum leergeballert hat (hat aber keinen getroffen!), eine Lady, die beim Joggen in den Berkeley Hills von einem tollwütigen Mountain Lion angefallen wurde, und ein unglücklicher Teilnehmer eines Firmen-Picknics im Tilden Park, der im Suff in einen Bach gestolpert und ersoffen ist.
Gleichzeitig findet auf der Leserbriefseite eine hitzige Debatte darüber statt, ob man den City-Cops von Berkeley die Verwendung von Pfeffergas-Sprays verbieten solle. Außerdem plädiert der Vertreter der ARA (American Rifle Association) für die Rücknahme der Sonderbesteuerung für automatische Schnellfeuer-Waffen.
Eine wirklich reizende Gegend! So lebhaft! Vor allem nachts! Wo sonst überall um sechs Uhr die Gesteige hochgeklappt werden, ist hier wenigstens noch was los auf den Straßen!
Ich blättere weiter zu den Kleinanzeigen. Da bitte! Ein Gun-Club in Oakland bietet zur Zeit Sonderkonditionen für neue Mitglieder. Einführung in alle Handfeuerwaffen, auf Wunsch auch Unterweisung in automatischen Schnellfeuerwaffen. Spezielle Sondertarife für Hochschulangehörige. Vielleicht sollte ich auch ... ? Wenn irgendeiner von den lausigen Usern, die ich gestern gelöscht habe, durchdrehen sollte ... ? Schließlich waren da so merkwürdige Löcher in der Wand hinter meinen Schreibtisch ... Und was ist eigentlich mit meinem Vorgänger passiert ...? Naaaay! Meine Waffe ist immer noch das Wort und der Computer!
Seufzend lege ich die Zeitung beiseite und beginne mit der harten Fron des Tages, indem ich in Ginger’s Büro vorbeischaue und mir ausführlich den neuesten Hochschulklatsch berichten lasse. Nach dem Lunch, am späten Nachmittag, gehe ich ins Treppenhaus und bohre eine Stecknadel durch das rote Koaxialkabel der Feuermeldeanlage. Brav beginnen die Sirenen zu heulen und die Mitarbeiter marschieren gähnend aus ihren Büros, um sich in den nicht angekündigten 'fire drill' einzureihen. In einem Land, wo alle Gebäude praktisch aus Pappe und Sperrholz bestehen, wagt es keiner, einen Feueralarm zu ignorieren. Nicht einmal Systemverwalter. Während alle Angestellten sich unten auf der Straße versammeln und auf die Feuerwehr warten, klappere ich in aller Ruhe die Büros der System-Manager in den anderen Instituten ab. Fast überall sind ein paar Root-Windows offen geblieben, und ich pflanze ein paar hübsche trojanische Pferde in die Systeme ein. Dann, bevor noch die Feuerwehrmänner mit der Suche nach dem vermeintlichen Brandherd beginnen, verschwinde ich durch den Lieferanteneingang. Morgen ist auch noch ein Tag. Ich kann schließlich nicht ständig Überstunden schieben; irgendwann fällt das auf!